Schütz Dich!

Vor allem wenn man gerade erst damit anfängt, sich besser im Internet zu schützen, kann die große Anzahl von Programmen und Techniken sehr einschüchternd und verwirrend sein. Um den Einstieg zu erleichtern und Startpunkte zu geben, haben wir deshalb hier ein paar Links, Anleitungen und Websites gesammelt, die gute Informationen zu dem Thema bieten.

Weil es aber auch sehr emutigend sein kann, diese Schritte nicht alleine anzugehen und sich von anderen helfen zu lassen, können wir euch Cryptopartys nur sehr an Herz legen. In vielen Deutschen Städten finden regelmäßig Cryptopartys statt, bei denen erfahrene Menschen euch helfen, die unten genannten Schritte umzusetzen. Eine Liste mit Städten und Veranstaltungen gibt es hier.

1. Die Basics

Wenn du komplett bei Null anfängst, sind die folgenden Schritte fast immer empfehlenswert:

  1. Installiere dir die folgenden Browser Plugins:
    1. einen Adblocker (am besten uBlock Origin, eine Anleitung ist hier)
    2. Privacy Badger (ein Plugin gegen Tracking im Internet, genauere Infos dazu hier)
  2. Installier dir einen Ende-zu-Ende verschlüsselten Messenger, am besten “Signal” (Anleitungen dazu gibt es hier)
  3. Wechsel deine Standardsuchmaschine zu startpage.com oder duckduckgo.com
  4. Installier den Firefox Browser und benutz ihn. Chrome wird von Google entwickelt und erzählt Google auch gerne mal von deinem Nutzerverhalten
  5. Installier Sicherheitsupdates immer so schnell es geht, sonst bleiben deine Geräte vor bekannten Sicherheitslücken unnötig lange ungeschützt

2. Wenn es ein bisschen mehr sein darf

Wenn du ein bisschen mehr Zeit hast, empfehlen wir die folgenden zwei Anleitungen von netzpolitik.org und Digitalcourage:

  1. Netzpolitik.org: Kleines Einmaleins der digitalen Selbstverteidigung
  2. Digitalcourage.de: Selbstverteidigung für Eilige

Sie sind jeweils sehr einstiegsfreundlich geschrieben und setzen kaum Technikwissen vorraus. In beiden Anleitungen wird zum Beispiel auch noch beschrieben, wie man Google, Facebook und Youtube benutzt und trotzdem weniger Datenspuren hinterlässt. Weitere Infos, Anleitungen und Materialien gibt es bei Digitalcourage hier.

3. Für Fortgeschrittene

Du hast die Anleitungen weiter oben alle überflogen und gemerkt, dass du das meiste längst umgesetzt hast? Dann ist dieser Abschnitt vielleicht etwas für dich. Die folgenden Schritte setzen jeweils ein bisschen Durchhaltevermögen vorraus und können manchmal ein bisschen friemelig sein. Belohnt wirst du aber mit nochmal einem guten Stück mehr Autonomie über deine Daten und deine Geräte.

Schau dir an welche Android Apps hinter deinem Rücken über dich lästern

Installier dir Linux. Benutz kein Windows 10.

Bei Windows 10 hat Microsoft das Geschäftsmodell früherer Windows-Versionen umgestellt von einem Betriebssystem, dass größtenteils in deinen Interessen handelt zu einem Betriebssystem, das Unmengen an Informationen über dich weiterleitet. Teilweise kann man das abstellen, aber auch nicht ganz (wie hier beschrieben und hier).

Aber keine Sorge, es ist Rettung in Sicht, moderne Linux Systeme bieten den meisten Menschen das, was sie auch bei Windows benutzt hätten: Programme zum Surfen im Internet (Firefox), zum schreiben von Mails (Thunderbird) und Office Programme die die Microsoft Office Programme fast komplett ersetzen können. Um euch ein kleines bisschen Verwirrung zu ersparen: Das Wort Linux bezeichnet strenggenommen nur den Kern des Betriebssystems, um diesen Kern herum gebaut gibt es dann viele verschiedene Betriebssysteme, die dann Namen wir Ubuntu, Debian, Mint oder Arch haben. Das sind alles Namen von so genannten Distributionen. Weitere Verwirrung kann stiften, dass es verschiedene Grafische Oberflächen für Linux gibt, diese hören auf Namen wie Gnome, Unity, KDE oder Mate. Ein und die selbe Distribution (z.B. Ubuntu) kann man mit verschiedenen grafischen Oberflächen benutzen. Diese grafischen Oberflächen werden auf englisch meistens Desktop Manager genannt. Du bist jetzt unentschlossen und verwirrt? Um nicht vor der Qual der Wahl zu stehen machst du für den Anfang mit Ubuntu sicher nichts falsch.

Anleitungen für Einsteiger*innen zur Installation von Ubuntu Linux findet ihr hier, hier oder hier. Bei der Installation von Linux helfen euch bestimmt auch Menschen von einer Cryptoparty bei euch in der Nähe oder befreundete Informatiker*innen.

Achtung: Beim Installieren von Linux können auch mal Probleme auftreten. Oft lassen sie sich von Menschen mit ein bisschen Technik-Erfahrung schnell lösen, du solltest das Installieren von Linux aber am besten mit einer erfahrenen Person zusammen machen. Oder du probierst Linux einfach auf einem Computer aus, den du nicht dringend für deine tägliche Arbeit brauchst.

Entgoogle dein Android-Handy

Kaum ein Gegendstand weiß so viel über dich wie dein Handy! Wenn es ein Android Handy ist, petzt es leider auch einiges an Daten an Google. Und was könnte deshalb erleichtender sein, als wirklich zu wissen, dass dein Handy wirklich nur dir gehorcht und nicht den Interessen anderer? Genau dafür gibt es Lineage OS.

Lineage OS ist eine freie Version von Android, in welche keine Google Komponenten eingebaut sind. Den Google Play Store kann man sich dort installieren, man muss es aber nicht. Die Installation von Lineage OS klappt bei verschiedenen Handys unterschiedlich leicht, tendenziell ist es aber ein Prozess der mehrere Stunden dauert. Falls du dir überlegst, ein neues Handy zu kaufen um darauf Lineage OS zu installieren, bietet dieser Artikel eine Liste mit dem Stand 2019 und diese Website eine Übersicht über die Handys, die am meisten mit Lineage OS benutzt werden. Auf Handys, die sehr oft mit Lineage OS benutzt werden läuft Lineage OS tendenziell ohne Probleme und lässt sich leichter installieren. Ob auf einem konkreten Handy Lineage installiert werden kann, kannst du auf dieser Liste nachschauen, nachdem du das Häckchen bei “Show discontinued devices” entfernt hast.

Die Installation von Lineage OS läuft bei manchen Handys sehr komfortabel und problemlos ab, bei anderen kann es zu kleineren und größeren Problemen kommen. Deshalb würden wir dir empfehlen dich erst ein kleines bisschen bei Foren zu informieren, welche Probleme andere Menschen mit der Installation von Lineage OS auf deinem Handy hatten. Im Zweifelsfall helfen dir bestimmt auch Menschen bei einer Cryptoparty in deiner Nähe oder andere Menschen aus deinem Freundeskreis mit ein bisschen Computer- und Technikerfahrung.

Blockier gesprächige Android-Apps

Um gesprächsfreudige Apps davon abzuhalten, mit ihren Herstellern oder Werbetreibenden zu kommunizieren, gibt es zwei Ansätze:

  1. Schau dir mit der App Netmonitor an, welche Apps wohin Verbindungen aufbauen. Falls du Lineage OS hast: Netmonitor gibt es natürlich auch im F-Droid Store.
  2. Installier dir eine Android Firewall wie AFWall+, eine Anleitung gibt es hier.


Verschlüssel deine E-Mails

Um E-mails verschicken zu können, an deren Inhalt kein Geheimdienst, keine Polizei und kein neugieriges Unternehmen kommen, solange sie deinen Schlüssel nicht kennen, kannst du dir E-Mail Verschlüsselung einrichten. Das machst du am besten, indem du dir das Plugin Enigmail für Thunderbird installierst. Eine Anleitung zum Einrichten gibt es hier.

Als Einschränkung ist hier zu nennen dass das Verschlüsseln von E-Mails nur Sinn ergibt, wenn du E-Mails mit anderen Menschen schreibst, die ebenfalls E-Mail-Verschlüsselung eingerichtet haben.

Achtung: Wenn du E-Mails verschlüsselst und deinen privaten Schlüssel verlierst (der in einer Datei auf deinem Laptop gespeichert sein wird) dann sind alle damit verschlüsselten E-Mails unwiederbringlich verloren. Du musst dir also Gedanken machen, wie du deinen privaten Schlüssel sicher aufbewahrst, dass er nicht verloren gehen kann und trotzdem keine unbefugten Menschen darauf Zugriff haben.

Installier dir den TorBrowser

Der Tor-Browser ist zwar langsamer als normale Browser, sorgt aber dafür dass du, wenn du mal möchtest, auch fast komplett anonym Dinge im Internet tun kannst. Diese Anonymität ist eigentlich nur dann hinüber, wenn du dich entweder über den Tor Browser z.B. bei Facebook einloggst oder sonst irgendwo deinen echten Namen eingibst (is klar, oder? ;)). Wenn es Geheimdienste darauf abgesehen haben sollten, ganz dringend herauszubekommen wer du bist, könnten sie das, vielleicht, unter entsprechenden Umständen auch mal schaffen. Vor dem Rest der neugierigen Menschen und Firmen bist du mit dem Tor-Browser aber geschützt.

Weitere gute Anleitungen:

Von der amerikanischen Electronic Frontier Foundation gibt es hier gute allgemeine Einführungen und hier spezifische Anleitungen für bestimmte Tools (wie z.B. Tor, Signal und das Verschlüsseln von Geräten).

Außerdem hat die Seite pydi.de eine sehr gute Einführung und verschiedene Anleitungen.

Die Sammlung “Your phone your data” von Mike Kuketz enthält viele gute Informationen, wie man die Datenkontrolle über sein Handy wieder zurückerlangen kann.